Akademiker
Zu den sogenannten "Akademikern" unter den Digerati werden Personen gezählt, in erster Linie in Forschung und Lehre an Hochschulen tätig sind und sich in ihren Studien mit diversen Problemfeldern des Internets auseinandersetzen. Hierzu gehören
- Nicholas Negroponte (Begründer des Media Lab des MIT)
- David Gelernter (Professor an der Yale University)
- Cliff Stoll (Astrophysiologe und Autor von des Buches Silicon Snake Oil)
- Sherry Turkle (MIT Professorin)
Nicholas Negroponte
Der 1943 geborene Computerforscher Nicholas Negroponte arbeitet als Professor am MIT und ist Mitbegründer des MIT Media Lab.
Negroponte studierte Architektur am MIT mit dem Schwerpunkt auf CAD (Computer basiertem Design). Nach Abschluss seines Studiums war der Sohn eines griechischen Reeders einer der Initiatoren der MIT Architecture Machine Group, einem Forschungsinstitut, das Untersuchungen zum Interface, der Schnittstelle zwischen Mensch und Computer, durchführte.
Nicholas Negroponte arbeitete für diverse große Unternehmen wie Motorola Inc. und finanzierte neben diversen Start-Up-Projekten auch das Wired Magazine, in dem er von 1993 bis 1998 auch eine eigene Kolumne unterhielt, in die er seinen Leitspruch "move bits, not atoms" mit einfließen ließ. 18 dieser Kolumnen fasste Negroponte in seinem Bestseller "Being Digital" zusammen. Darüber hinaus engagiert sich der Architekt im Rahmen des Projekts One-Laptop-Per-Child (OLPC), das sich gegen die digitale Wissenskluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern einsetzt. Ziel dieses Projekts ist es, allen Kindern den Zugang zu digitalen Medien ermöglichen. Negroponte entwickelte in diesem Kontext den "100 Dollar Laptop" einem Notebook, das auf Linux/GNU basierend an allen Schulen eingeführt werden könnte und somit jedem Schüler den Umgang mit einem Computer gestattet. Erste Exemplare dieses Notebooks wurden bereits auf dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft vorgestellt.
David Gelernter "Der Konservative"
David Gelernter gehört zur dritten Generation der Entwickler künstlicher Intelligenz (AI) und wurde populär durch die Programmierung der Langua Linda, einem Programm, das es dem User ermöglicht, ein Computerprogramm über diverse Prozessoren zu verteilen und auftretende Probleme in einzelne Teile aufzusplitten, mit dem Ergebnis, diese schneller lösen zu können.
Den Zusatz "Der Konservative" verdankt Gelernter seiner Mitarbeit bei diversen Magazinen wie dem City Journal oder The Weekly Standard, die gemeinhin als konservativ gelten. Darüber hinaus hatte David Gelernter seine eigene wöchentliche Kolumne bei der LA Times, die von den Konservativen des Landes hoch gelobt wurde.
Der 1955 geborene David Gelernter machte 1976 seinen Magister in klassischer hebräischer Sprache an der Yale University. Gerade in den 80er Jahren zeichnete er sich durch die Entwicklung der Langua Linda aus, die als eine Erweiterung von Computersprachen wie Java, C oder Prolog gesehen werden kann. Darüber hinaus ist Gelernter einer der Mitbegründer der Mirror World Technologies, das Sofware anhand diverser Aspekte aus seinem Buch "Mirror Worlds: or the Day Software Puts the Universe in a Shoebox...How It Will Happen and What It Will Mean" (1992) entwickelte. Der "Konservative" unter den Digerati ging davon aus, dass der Computer den User aus der Rolle des Registrators befreien könnte, indem er Daten für die Nutzer organisiert. Aufgrund mangelnden kommerziellen Erfolgs wurde Mirror World Techonologies Ende 2003 aufgelöst.
1993 wurde Gelernter durch eine Briefbome des sogenannten "Unabombers" Theodore Kaczynski, einem radikalen Gegners technischen Fortschritts schwer verletzt. Seine Thesen des Protests verfasste Kaczynski in dem Manifest "Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft" (Industrial society and its future). 2004 erschien der Dokumentarfilm "Das Netz", der sich mit den Motiven des Attentäters auseinandersetzt.
David Gelernter selbst setzte sich bereits 1997 in seinem Buch "Drawing Life: Surviving the Unabomber" mit dem Anschlag auseinander.
2003 wurde David Gelernter Mitglied des National Council on the Arts.
Cliff Stoll "Der Skeptiker"
Der Astrophysiker und System-Administrator Cliff Stoll gehört zu den Kritikern des Internets, der sich insbesondere mit der stetig wachsenden Vernetzung und dem damit verbunden Wandel der Gesellschaft auseinandersetzt. Daher wird er bei den Academics als "Skeptiker" bezeichnet.
Der 1951 geborene Clifford Stoll war in den 1988/89 an der Ergreifung des Hackers Marcus Hess beteiligt. Zu dieser Zeit arbeitete Stoll noch als Administrator für das Labor der Berkley Universität in Kalifornien. Bei der Überprüfung eines Abrechnungsfehlers wurde der Stoll auf Hess aufmerksam. Problematisch war hierbei weniger der Abrechnungsfehler selbst, sondern Hess" Einbruch in das Computersystem der Universität und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken. Markus Hess Geschichte, der unter anderem auch an den KGB-Hacks beteiligt war, wurde ansatzweise in den Film "23 - Nichts ist wie es scheint" mit eingebunden. Clifford Stoll verfasste 1989 das Buch "Kuckucksei. Die Jagd auf die deutschen Hacker, die das Pentagon knackten (The Cuckoo's Egg)", indem er Markus Hess Verfolgung und Ergreifung beschrieb und darüber hinaus auf die Problematik des Hackens selbst aufmerksam machte. Das Buch wurde 1990 unter dem Titel "Der KGB, der Computer und ich" (The KGB, the Computer, and Me) verfilmt. 1995 veröffentlichte Stoll "Die Wüste Internet. Geisterfahrten auf der Datenautobahn (Silicon Snake Oi), indem er sich kritisch mit den Möglichkeiten des E-Commerce auseinandersetzt.
Sherry Turkle "Die Psychoanalytikerin"
Die Psychologin Sherry Turkle, die als Professorin für Science, Technology and Society am Massachusetts Institute of Technology arbeitet, widmet sich in erster Linie Forschungen im Bereich der Psychoanalyse und der Kultur. Darüber hinaus untersucht Turkle die Beziehungen zwischen Mensch und Maschine, bzw. technischen Geräten. Den Fokus legt die Psychologin auf Computertechnik und die psychischen Abhängigkeiten, die durch Internet- und Computernutzung hervorgerufen werden können.
Basierend auf den Studien Piagets veröffentlichte Sherry Turkle 1984 das Buch "The second self", in dem sie die Möglichkeiten computergestützten Lernens und dessen Auswirkungen auf die Schüler untersucht. Den Einfluss von Computern auf unterschiedliche Altersklassen und Geschlechter analysierte Turkle anhand von Kindern, Mitgliedern der AI-Gemeinde und Hackern.
In dem 1995 erschienen Buch "Life on the Screen: Identity in the Age of the Internet" beschäftigt sich Sherry Turkle mit Rollenspielen innerhalb sogenannter Multi-User-Domains (MUDs) und den damit verbunden Problematiken. Insbesondere die Differenzierung zwischen der realen und der virtuellen Welt werden hierbei analysiert. Ebenso wie die Thematik Minderjähriger, die sich als Volljährige ausgeben und innerhalb Chatrooms Beziehungen mit erwachsenen Usern eingehen. |